Die KOPF-Typen (5–6–7)

Die KOPF-Typen: Beobachter (Typ 5), Loyale (Typ 6) und Glückssucher (Typ 7)
Die KOPF-Typen heißen Beobachter (Typ 5), Loyale (Typ 6) und Glückssucher (Typ 7)

Es geht um Denken und Sicherheit

Kopfenergie hat mit unserem Denken zu tun. Menschen, die der KOPF-Gruppe angehören, streben nach Sicherheit und Orientierung. Im günstigen Fall streben sie nach Sicherheit durch Offenheit, Mut und Nüchternheit. Im ungünstigen Fall durch Distanziertheit zum Leben, Angst und Maßlosigkeit nach Lust. Weil sie sich oft schwach gegenüber den ambivalenten Kräften im Leben fühlen, werden sie auch als die Angst-Typen bezeichnet. Ihr kühles denkendes Wesen wird gern die Farbe blau zugewiesen. Die drei KOPF-Typen unterscheiden sich im Umgang mit ihrer Hauptenergie, die verstärkt, blockiert oder umgelenkt werden kann:

Kopfenergie verstärkt      ➔    Typ 5 – Der Beobachter
Kopfenergie blockiert       ➔    Typ 6 – Der Loyale
Kopfenergie umgelenkt   ➔    
Typ 7 – Der Glückssucher

Kopfenergie
KOPF-Energie kann verstärkt, blockiert oder umgelenkt sein

Im Folgenden stelle ich die Enneagramm-Typen 5, 6 und 7 unter folgenden Gesichtspunkten vor:

  1. Beschreibung des Charakters
  2. Stärken
  3. Schwächen
  4. Verführung
    Der typologisch bedingte Trieb, der das Leben erschweren kann, wenn der Menschen ihm folgt
  5. Pathologie
    Das krankhafte und/oder abnorme Erscheinungsbild, das sich bei anhaltender Trieborientierung einstellen kann
  6. Wertorientierung
    Die in jedem Menschen angelegte Möglichkeit zur Befreiung vom Trieb und zur Entwicklung der Persönlichkeit. Je mehr sich ein Mensch in seine typologisch angelegte geistige Werthaltung eindenkt, einfühlt und danach handelt, desto deutlicher zeigen sich die Stärken seines Charakters und um so kraftvoller und sinnerfüllter gestaltet er sein Leben.
  7. Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung
  8. Strahlung
    Woran wir den Typus erkennen können, besonders dann, wenn er noch wenig entwickelt ist und sich von seiner schwachen Seite zeigt.

Typ 5 – Beobachter
(auch Denker oder Philosoph)

„Komm mir nicht zu nah“

Beispiel für Enneagramm-Typ 5: Marie Curie
Beispiel für Enneagramm-Typ 5: Marie Curie
  1. Beschreibung des Charakters
    Menschen vom Typ FÜNF brauchen (zunächst) viel Abstand von dem, was ihnen zu lebendig erscheint. Sie brechen die Brücken ab, wenn andere ihnen zu nahe kommen (emotionaler Geiz). Doch manchmal, wenn sie ihre innere Einsamkeit tief genug spüren, suchen sie jene Brücke auf, die sie hinüber führt in den Garten der Menschen. Dann wagen sie es, am lebendigen Leben teilzunehmen.
  2. Stärken
    Die Stärke des Beobachters ist die eines „weisen Menschen„. Er ist ideenreich, originell im Denken, innerlich unabhängig, freundlich, sanft, unaufdringlich, unvoreingenommen gegenüber neuen und ungewöhnlichen Ideen, Gedanken und Auffassungen. Er ist erfinderisch, genial, tolerant, weitblickend, intellektuell, akademisch und ist fähig zu Pionierarbeit. – Wenn der Beobachter nicht wäre, wäre die Welt weniger geordnet und klar.
  3. Schwächen
    Die Schwäche des Beobachters ist die des „Distanzierten„. Er ist zurückgezogen, unbeteiligt, eher ein Beobachter des Lebens als ein Teilnehmer, wortkarg, gedankenverloren. Er irritiert andere oft durch Schweigsamkeit, Geiz mit sich, ist kopflastig, Einzelgänger, mag nicht um Hilfe bitten, mag um keinen Preis dumm erscheinen.
  4. Verführung
    Der Geiz (avarice) der FÜNF ist der Rückzug in die Ecke des unbeteiligten Beobachters, der  es versäumt, sich einzubringen.
  5. Pathologie
    Schizoide Menschen sind einzelgängerisch und abweisend, sie haben kaum engere Freunde. Emotional kühl, zeigen sie kaum zärtliche Gefühle und nur wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen. Wenige Tätigkeiten bereiten ihnen Freude, sie sind mit eigenen Fantasien beschäftigt. Gesellschaftliche Regeln können sie nur schwer einhalten, Kritik gegenüber verhalten sie sich gleichgültig.
  6. Wertorientierung
    Offenheit und Weisheit bringen die ersehnte Erleichterung und die verlorene Verbindung mit sich selbst. Wer offen ist und versucht, weise zu werden, fragt nach den tieferen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten des Lebens und lässt sich daher nicht so rasch von den üblichen Schwierigkeiten und Konflikten irritieren.
  7. Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung
    Liebe wagen – Beziehung zur Innenwelt (Traum und Imagination) – Wege ins Leben suchen, die nicht primär über den Kopf laufen – Sinnvolle Ziele im gegenwärtigen Leben suchen – Beziehungen zu Menschen anschauen, Nähe einüben – Handlungsorientierung – Leben nicht zerdenken – Zynismus und Aggression als Schutz durchschauen lernen – Rückzugstendenzen stoppen – Spontanes Leben einüben – Kontrolle über den eigene Raum reduzieren.
  8. Strahlung
    Beobachter wirken kühl, nüchtern und distanziert. Sie werden sich distanzieren wollen, wenn man ihnen näher rückt.

Typ 6 – Loyale
(auch Mitstreiter, Gemeinschaftsmensch)

„Im Zweifel gegen den Angeklagten“

Beispiel für Engeren-Typ 6: Sigmund Freud
Beispiel für Engeren-Typ 6: Sigmund Freud
  1. Beschreibung des Charakters
    Menschen vom Typ SECHS erwecken (zunächst) den Eindruck, als brauchen sie andere Menschen mehr als sich selbst. Sie gehen in ihrer Gemeinschaft auf, besonders dann, wenn sie ihnen gleichgesonnen sind. Dabei vergessen sie all zu leicht sich selbst. Doch wenn sie zu spüren beginnen, dass sie “mehr” sind, als einer unter anderen, richten sie sich auf und gehen auch ihre eigenen Wege.
  2. Stärken
    Die Stärke des Loyalen ist die eines „mutigen Menschen„. Er ist treu, anhänglich, loyal, pflichttreu, pünktlich, zuverlässig, sorgfältig, vorsichtig, einsatzfreudig, verantwortungsbewusst, kooperativ, vertrauenserweckend, liebenswert, gastfreundlich, fürsorglich, anziehend, humorvoll, fleißig, kann sich selbst zurücknehmen für das Wohl anderer. – Ohne die Loyalen wäre die Welt kälter.
  3. Schwächen
    Die Schwäche des Loyalen ist die des „Ängstlichen„. Er ist ängstlich, unsicher, autoritätsbezogen was Entscheidungen betrifft, dogmatisch, zweifelnd und misstrauisch. Er hat ein überzogenes Sicherheitsbedürfnis, ist gehemmt, scheu, droht gern mit Autoritäten, ist feige, hat Angst vor Neuem und Ungewohntem, wittert leicht Gefahr und sucht Bestätigung.
  4. Verführung
    Die Angst (fear) der SECHS ist die feige Unterordnung unter eine beschützende Autoritätsinstanz.
  5. Pathologie
    Dem kontraphobischen Angst-Typ, mit seiner aggressiven Misstrauenshaltung, entspricht die paranoide Störung. Paranoide Menschen neigen dazu, das Verhalten ihrer Mitmenschen als feindselig zu interpretieren. Sie sind deshalb eher misstrauisch, streitsüchtig, eifersüchtig, nachtragend, neigen zu Verschwörungstheorien und können nur schwer verzeihen. Ihr Selbstwertgefühl ist überhöht.
    Dem phobischen Angst-Typ,  mit seiner nicht-aggressiven und unsicheren Misstrauenshaltung, entspricht sowohl der vermeidende als auch der abhängige Charakter: Ängstlich-vermeidende Menschen fühlen sich unsicher, minderwertig, inkompetent in sozial geprägten Situationen und suchen diese deshalb ebenso zu vermeiden wie persönliche Kontakte. Sie fürchten Kritik und halten sich für unbeholfen und unattraktiv. Sie ziehen sich zurück, in der Hoffnung, so Sicherheit zu finden. Dadurch schränken sie sich in ihren Handlungsoptionen ein und sind ständig angespannt und in Sorge. Ängstlich-abhängige Menschen sind sehr anhänglich, ordnen ihre Bedürfnisse denen anderer unter, äußern sich kaum. Sie haben Angst, nicht für sich selbst sorgen zu können und von anderen Menschen verlassen zu werden. Sie fühlen sich oft als Versager und trauen sich kaum, ohne fremde Hilfe eigene Entscheidungen zu treffen.
  6. Wertorientierung
    Vertrauen bring die ersehnte Erleichterung und die verlorene Verbindung mit sich selbst. Wer sich selbst und anderen vertraut, fixiert sich nicht auf das Bedrängende und Bedrückende, sondern lenkt seinen Blick primär auf die in ihm selbst und im Leben liegenden Möglichkeiten.
  7. Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung
    Seinen eigenen Weg gehen – Sich selbst von innen her kennenlernen, besonders auch die eigenen Potenziale – Bemerken der Angst – Abwehrstrategien gegen die Angst durchschauen – Den inneren Zweifler bearbeiten – Vertrauen ins Leben fördern – Halt im Leben finden  – Selbstaggressive Tendenzen bearbeiten – Pflicht – Freude – Projektionen verringern – Abhängigkeit von der Meinung anderer reduzieren – Angst vor Autoritäten bearbeiten.
  8. Strahlung
    Die Loyalen wirken zunächst freundlich, zugewandt und abwartend. Erst wenn sie Vertrauen gefasst haben, öffnen sie sich. Sie wirken unkompliziert und zeigen wenig Problemstrahlung.

Typ 7 – Glückssucher
(auch Vielseitige oder Optimist)

„Sieh, das Gute liegt so nah“

Beispiel für Enneagramm-Typ 7: Wolfgang A. Mozart
Beispiel für Enneagramm-Typ 7: Wolfgang A. Mozart
  1. Beschreibung des Charakters
    Menschen vom Typ SIEBEN suchen die Lust, die Freude, das Glück und finden es oft auch. Und wenn sie es gefunden haben, jagen sie gleich neuem nach (Völlerei, Maßlosigkeit). Und wenn die Niederungen des Daseins (der gewöhnliche Alltag) wenig Glücksgründe herzugeben scheinen, schwingen sie sich (zunächst) auf und suchen sie in den Wolken (gedankliche Phantastereien). Doch wenn sie zu begreifen beginnen, dass nicht nur das Helle, sondern auch das Dunkle Leben ist (beides zum Leben gehört und Ausdruck von Leben ist), beginnen sie das ganze Leben zu lieben.
  2. Stärken
    Die Stärke des Glückssuchers ist die eines „freudvollen Menschen„. Er ist fröhlich, vergnügt, immer guter Laune, heiter, unkompliziert, “pflegeleicht”, unbeschwert, phantasiereich, nett, begeisterungsfähig, kontaktfreudig, unterhaltsam, optimistisch, lebensfroh, zukunftsorientiert, kann das Leben genießen, vielseitig begabt und ausgleichend. – Ohne den Glückssucher wäre die Welt ernster, humorloser und dunkler.
  3. Schwächen
    Die Schwäche des Glückssuchers ist die des „Schmerzverleiders„. Er ist genusssüchtig, blendet die dunkle Seite der Realität aus, Konflikt- und schmerzscheu, verwechselt Pläne mit Versprechen bereits mit der Durchführung, erscheint oberflächlich, geschwätzig, hyperaktiv, flatterhaft und scheut Mühe und Anstrengung.
  4. Verführung
    Die Völlerei (gluttony) der SIEBEN ist die planvolle Organisation des Lebens mit dem Ziel, einmal erlebtes Vergnügen zu wiederholen und zu steigern.
  5. Pathologie
    Typ SIEBEN neigt zum Narzissmus, zur „Liebe“ zu einem idealisierten Selbstbild (als Gegensatz zu der Liebe zum anderen). Bei narzistischen Menschen steht eine Selbstwertproblematik im Vordergrund: mangelndes Einfühlungsvermögen, Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, übertriebenes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie halten sich für wichtig, grandios, einzigartig, beschäftigen sich deshalb viel mit Fantasien über die eigenen Erfolge. Sie wollen beachtet und bewundert werden. In Beziehungen verhalten sie sich tendenziell ausbeuterisch, wenig emphatisch, neidisch. Sie zeigen sich oft arrogant.
  6. Wertorientierung
    Nüchterne Heiterkeit bring die ersehnte Erleichterung und die verlorene Verbindung mit sich selbst. Wer die erheiternden Seiten des Lebens zu sehen lernt, nimmt vieles nicht mehr gar zu ernst und erfreut sich darüber hinaus der Sympathie seiner Umwelt.
  7. Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung
    Innehalten, stoppen, Einhalt gebieten – Dem Schmerzhafen immer wieder ausweichen – Schattenbereiche ansehen lernen – Halt suchen – Realitätsprüfung – Angst vor Lustverlust bearbeiten – Maß halten, Maßlosigkeit erkennen – Erlebnisse zu Erfahrungen werden lassen – In die Stille gehen – Kränkbarkeit und deren Gründe durchschauen.
  8. Strahlung
    den Glückssucher hat Dynamik, Schnelligkeit und Pepp. Er wirkt aber auch angestrengt getrieben. Man fühlt sich in seiner Gegenwart wenig gesehen.


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